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Ok, ich ab nach Hause, Tasche packen, Mutter anrufen sie soll mir bitte mit dem Helm entgegen kommen, spart ja Zeit ;o)! Gesagt getan, ca. ne dreiviertel Stunde fährt man schließlich auch noch bis zum Ring. Mutter getroffen, Helm ins Auto und ab. Ich höre Mutter noch rufen, tu langsam Jung, du brauchst deinen Führerschein noch, na klar, Mütter eben! So habe ich mich dann nach allen Regeln der Stvzo Richtung Ring begeben. Pünktlich um 16:05 stand ich auch schon im Fahrerlager. Erst mal alle begrüßen und dann umziehen. Andrey Agavonof unser Russischer Mitfahrer macht den Anfang, danach drehte Jutta Beisiegel ihre Runden, dann ich und Bernd. Die Strecke war nass bis trocken und das Auto fühlte sich gewohnt gut an mit der etwas weicheren Dämpferabstimmung für das Nass Setup. Alles klar, 2 Stunden Training waren um und die Jungens mussten noch Bremsen machen. Bei Pizzaresten und Bier ließen wir den Tag ausklingen und führten noch ein paar Benzingespräche. Ich konnte oben bleiben und mich im Teameigenen Wohnmobil mit einquartieren. Die Nacht war nicht so prickelnd, weil der Himmel einfach nicht seine Schleusen schließen wollte, es regnete die ganze Nacht durch, keine Sekunde wo das kühle Nass nicht aufs Dach prasselte.
Samstag Morgen 7:00 Uhr, der Wecker geht und die Frisur sitzt noch, es heißt aufstehen, denn um um 7:45 ist Fahrerbesprechung. Im Zeittraining macht Andrey den Anfang, es ist noch alles nass und es regnet immer weiter, danach fährt Jutta, Bernd und ich zum Schluss. Bernd holte zu diesem Zeitpunkt die Pole bei Nässe in der Klasse V6. Als ich an der Reihe bin hat es angefangen abzutrocknen und wir entschieden uns für Slicks, mal sehen was geht. Ich bekomme noch ein paar Instruktionen wo es feucht, nass und ungefähr trocken ist. Bernd gibt die Order, fahr 2 kurze Runden (GP-Strecke) und dann lässt du fliegen sagt er. Ich denke nur, ok schau mer mal. Ne Sicht Runde bei den Wetterverhältnissen wäre ja nicht verkehrt, aber ein Blindflug volle Pulle könnte in die Hose gehen. Also beschränke ich mich auf meine Sichtweite und dort wo ich es einschätzen konnte Vollgas, einige Bekannte Ecken lassen das bei den Witterungsbedingungen natürlich nicht zu. Als ich meine erste Runde beendet hatte war das Zeittraining allerdings schon abgewunken, schade ich hätte mir noch eine Runde mehr gewünscht im fast trockenen, da wäre noch was gegangen. Mit meiner eingefahrenen Zeit auf P5 in der Klasse konnten wir recht zufrieden sein und 6h sind sehr lang.
Bei der Startaufstellung mussten wir recht weit nach vorne gehen und da sah man das ich doch noch einiges an Autos hinter mir gelassen hatte, so was wie Porsche und Co., aber mit einem beherzten Gasstoß war von diesen natürlich nach dem Start nur noch das Heck zu sehen.
Nach dem üblichen Prozedere, Abklatschen und unserem Startfahrer Andrey Glück für die ersten Ruden zu wünschen, begann der uns bis dahin noch unbekannte Krimi. Unser Auto stand wie viele andere auch auf Regenreifen am Start, andere hatten gepokert und sollten nach 3 Runden feststellen das sie die bessere Reifenwahl getroffen hatte, diese düsten ihrer Konkurrenz gnadenlos davon, so auch Dieter Weidenbrück, der Team Chef des Z-Racingteams bei denen ich in diesem Jahr am 24h Rennen teilgenommen hatte doch dieses mal zu meiner direkten Konkurrenz zählen musste.
Andrey kam nach der 3. Runde rein um auf Slicks zu wechseln, was sich jedoch wie wir wieder eine Runde später feststellen mussten als Fehler heraus stellte, aber gut, der Fahrer entscheidet in diesen Minuten, wieder rein auf Regenreifen wechseln, der Himmel hatte seine Schleusen wieder geöffnet. Über das GPS konnten wir verfolgen das Andrey in seiner 8 Runde etwas an Fahrt rausgenommen hatte, es wird wohl nichts passiert sein?! Doch leider war es so, die Boxenmauer meldet einen Einschlag auf der linken Seite. Andrey kam an die Box und wir mussten feststellen das der Querlenker einen abbekommen hatte und ausgeschlagen war. Das Auto wurde in die Box geschoben und die Mannschaft samt Teamchef gab sich an Werk. In 17min. war der Querlenker gewechselt und das Auto wieder vermessen, eine Top Leistung vom Team. Nun war ich an der Reihe, noch schnell Volltanken, Regenreifen blieben drauf und ab dafür! Wir waren bereits druch den Zwischenfall bis auf den 10. Platz in der Klasse zurück gefallen. Bei meinem Stint ging es durch Regen, Trockenheit, Dreck auf der Strecke, sowie wirklich Sinnflutartige Regenfälle, welche auf Grund der schlechten Sicht und Bächen die in verschiedenen Streckenabschnitten über die Fahrbahn liefen, eine Geschwindigkeit von mehr als ca. 60km/h nicht zuließen.
Obwohl ich mich wirklich sehr wohlfühlte in dem Auto und es richtig Spaß machte war es sehr schwierig zu fahren, da auch die Regenreifen durch die wechselnde Trockenheit so langsam ihre gute Performance verloren. Fast jede Runde wurde ich angefunkt wie es denn aussehen würde auf der Strecke und wir wieder Reifen wechseln konnten. Es war nämlich so das um die GP Strecke herum herrliche aussah, nur draußen konnte man dem Wetter nicht trauen und über die Weite wo sich die Nordschleife drüber erstreckt sah es Stellenweise gar nicht gut aus. In meiner letzten Runde konnte ich beobachten das sich die Wolken allerdings so langsam rar machten und ich wurde gefragt wie die Umstände seien weil gleich Jutta Beisiegel das Steuer übernehmen sollte. Da zu diesem Zeitpunkt etwa 40% Feuchtigkeit und stellenweise noch Nässe die Streckeneigenschaften beherrschten, empfahl ich Semislicks aufzuziehen, da die Regenreifen fast ihren Dienst quittiert hatten. Ich hätte auch schon wechseln können, allerdings würden wir dadurch mehr Zeit verlieren als bisher sowieso schon.
In meinem Stint konnte ich mich für unser Team bereits wieder auf den 7. Rang nach vorne kämpfen, easy going :o) !
Jutta war sehr zufrieden mit meiner vorausgesagten Reifenwahl und spulte ihre Runden ab, jedoch war es für sie auch stellenweise ein Ritt auf der Kanonenkugel, aber alles lief perfekt und so konnten wir uns schon bald auf P6 sehen! Profitieren konnten wir leider in unserer Klasse von einem Ausfall des Teamschef`s vom Z-Racingteams, Dieter Weidenbrück der sich mit Rolf Buchsteller das Cockpit eines Z4 M-Coupes teilte, sie lagen bis dato an führender Position in der Klasse V6. Es tat mir sehr leid für die Jungs rund um das Schmickler Performance Team.
Doch der Eifelkrimi an diesem Samstag war noch lange nicht abgeschlossen. Nachdem Schlußfahrer Bernd Küpper das Lenkrad von Jutta übernommen hatte und auf Slicks auf die Strecke ging blieb es bis „fast“ zum Schluss trocken, fast bis zum Schluss trocken! Bernd konnte wieder einen Platz in seinem Stint gut machen. Wie ausgerechnet sollte Bernd in seiner 7. Runde die Box ansteuern um sich noch für 2 Runden Benzin abzuholen, doch was macht dieser Kerl?! Die ganze Crew steht in der Boxengasse um diesen Routine Stop zu absolvieren, ein bisschen nachtanken, gespannt wann er endlich reinkommt, breits auf P3 liegend in der Klasse, nur 20sek. Hinter ihm der viert platzierte im Nacken, auf der Uhr standen noch 8min. bis Rennende. An unserem GPS sahen wir das es nicht mehr lange dauern konnte bis er reinkam, doch er fährt einfach durch. Die ganze Mannschaft schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und denkt sich, er schafft nicht mal mehr eine halbe Runde mit seinen jämmerlichen Resten im Tank! Nach seiner Durchfahrt auf einmal ein Wolkenbruch, alle Teams mit Slicks auf der Strecke, dann kam die rote Flagge, RENNABBRUCH! YES, Bernd hatte den richtigen Richer, seine 30 Jahre Nordschleifenerfahrung haben ihn nicht im Stich gelassen!
Rennen beendet, P3 in der Klasse, Wahnsinn! Der Kerl mit seinem Dickkopf hat sich durchgesetzt und uns ein Rennende beschert wie es spannender in einem Krimi nicht hätte sein können, als wenn wir nicht schon oft genug in den vergangenen 6 Stunden gezittert hätten!
Als wir ihn im Parc Ferme abholen wollten kam und kam er nicht. Die ganze Crew glaubte zwar an den 3. Platz, jedoch wusste niemand ob er denn jetzt doch noch abgeflogen war auf Slicks in der Nässe oder ob sonst etwas mit dem Auto sei. Dann sahen wir einen roten Grand Chirokee der ONS Staffel, dahinter unser Auto, sah alles bis auf den Auspuff und die Stoßstange normal aus, diese flappte allerdings schon seit etlichen Runden hinter dem Auto her. Nachdem wir ihn empfangen hatten gestand er uns das sein Sprit nur noch lediglich bis zur Kurzanbindung GP-Strecke gereicht hatte und er es sich gedacht hat das es wie aus Eimern anfangen würde zu regnen und die Rennleitung unter diesen Umständen das Rennen abbrechen würde! Das war richtig „gepokert“, doch es hat gereicht! Wir waren alle erleichtert und Glücklich das dieser Krimi doch noch sein gutes Ende gefunden hatte. So gingen wir glücklich und zufrieden jeder mit einem Pokal für den 3. Platz nach Hause, womit während des Rennverlaufes keiner mehr mit gerechnet hätte. Wie gesagt, von P5 gestartet, nach Unfall auf P10 zurückgefallen, P7,P5 und am Ende P3, der Wahnsinn. Für Kurzentschlossene war ich sehr zufrieden, aber auch abgekämpft nach diesem Tag!
Vielen Dank ans Team, die Streckenposten, Fotografen und Fans rund um Strecke, für die es bei diesen Witterungsverhältnissen mit Sicherheit nicht einfach war an diesem Tag dort oben am Nürburgring „auszuharren“, gespannt auf das was da wohl noch kommen würde während des Rennverlaufes!!!
Mein Fazit: 1. hätte ich nicht gedacht das ich dieses Jahr noch VLN fahren würde…
- 2. auch noch mit so einem guten Ergebnis abschließen würde…
- …und 3. Die Nordschleife schreibt doch oft immer noch die schönsten Geschichten!
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